Wurzelbehandlung | Wurzelspitzenresektion

Orale Chirurgie, Praxisschwerpunkte

Der gesunde Zahn wird durch Blut-und Nervengefäße versorgt. Kommt es, meist bedingt durch Karies, zu einem Eindringen von Keimen, äußert sich dies durch Zahnschmerzen. In diesem Fall kann der Zahn nur entfernt oder der Versuch gemacht werden,  ihn zumindest optisch zu erhalten.

Diese Technik stammt aus einer Zeit, in der Implantate noch nicht erfunden waren, also vor 1965. Durch manuelles Entfernen der Blut- und Nervengefäße sowie nachfolgendes Abfüllen der entstandenen Hohlräume wird aus einem lebenden Zahn ein toter Zahn, eine leblose Hülle.

Nachdem jede Versorgungsmöglichkeit unterbunden wurde, können auch keine Schmerzen mehr produziert werden – zumindest theoretisch. Sollten trotzdem Schmerzen anhalten oder sich röntgenologisch sichtbare Zeichen einer anhaltenden Entzündung im Bereich der im Kieferknochen verankerten Wurzelspitze zeigen, ist – aus schulmedizinischer Sicht – eine nochmalige Wurzelbehandlung (Revision) bzw. eine Wurzelspitzen-Resektion (das operative Abkappen der Wurzelspitze im Kieferknochen) vorgesehen.

Ganzheitlich betrachtet sind Wurzelbehandlungen und speziell Wurzelspitzenresektionen selten ohne Auswirkungen. Die Verzweigungen der Blut-, Lymph- und Nervengefäße ragen ähnlich einer Baumkrone in den Kieferknochen. Sind Keime einmal dort angekommen, sind sie alleine durch klassisches Abfüllen der Hauptkanäle nicht mehr unschädlich zu machen. Der Körper registriert diese unnatürliche Entzündung und versucht sie über seine zur Verfügung stehenden Mechanismen zu eliminieren.

Dazu ist natürlich anzumerken, dass eine Wurzelbehandlung einen künstlichen Eingriff in das System Mensch darstellt, der unter natürlichen Bedingungen niemals vorkommen würde. Demzufolge ist der Körper für Einwirkungen dieser Art nicht gerüstet.

In wenigen günstigen Fällen, wo Keime noch nicht die Wurzelspitze erreicht haben (zb. durch ein mechanisches Trauma mit anschließendem langsamen Absterben des Nervs), kann jedoch eine Wurzelbehandlung als „neutral“ für den Gesamtorganismus betrachtet werden (vorausgesetzt das verwendete Material ist individuell verträglich, siehe Umweltzahnmedizin). Da Wurzelspitzenresektionen immer als Methode der letzten Möglichkeit vor einer Zahnextraktion durchgeführt werden, ist ihre Prognose von vorne herein deutlich schlechter.

Da heute die moderne Implantologie für jeden Einzelfall optimale Lösungen anbietet, sind zwanghafte Erhaltungsversuche ohnehin toter Zähne vermeidbar.